Schlagwort: Anthroposophie

über Kleingarten  Kompost Karma

 

Liebe Frau Feuerstack,

nun lese ich schon tüchtig in Ihrem Buch. Ich freue mich sehr, nicht das ich Ihnen eine Kritik schreiben will – Sie wissen ja viel besser was mit dem Buch los ist – Ich möchte mich einerseits bedanken weil das Buch ja bei mir – wie doch wohl auch bei anderen Lesern Erinnerungen wachruft- nein auch weil Sie schreiben wie „Einfach“ es doch ist. Meine Erfahrung ist doch  das viele Menschen sagen  es wäre entweder komplizirt oder nicht möglich (Goetheanum und Hochschule) oder das ist so komplicirt und nichts für mich (Menschen aussserhalb der Anthroposophie). Die „offenen Menschen – zB Geomanten wundern sich dann eher nur wieder über die „Verkopften“ Anthroposophen. Insofern freue ich mich doch sehr.

Ich gratuliere auch zu dem Mut…und…die Mischung ist gut wie sie ist – hier danke ich das die Kritik in die eine oder andere Richtung nicht fruchtete…

 

Tatsächlich weis ich nicht wie ich hier noch Danken soll…Ich werde also viel Werbung machen das recht viele das Buch kaufen…und ich habe was auf den Weg in den Komposthaufen geschickt.

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„Jeder Mensch ein Eingeweihter!“

[Bild nicht gefunden]Ich bin wieder da. Wartend, gegenwärtig, präsent am Ort der modernen Mysterien. Diesmal herrscht Hochbetrieb. Viele Menschen warten, allein oder in kleinen Gruppen. Ich gehe auf und ab und schnappe einige Gesprächsfetzen auf: über Zigarettenmarken, Prüfungsnoten, Krankheiten, Ferienpläne usw. Nichts Mysteriöses also. Oder doch?

Die bisherigen Lektionen legen nahe, dass die wahren Mysterien in der Banalität des Alltags verborgen sind. In dem genannten Spiegel-Interview tritt Beuys mit seiner Aussage über die Mysterien am Hauptbahnhof den Vorwürfen des Spiegel-Reporters entgegenzutreten, seine Werke seien so überfrachtet mit mystischen und schamanischen Symbolen, dass sie wohl nur von fortgeschrittenen Anthroposophen verstanden werden könnten. Er betont, dass er doch auch ganz einfache Dinge sagt und den Leuten klarmachen will, dass er genauso ist wie sie selber. Bekannt ist sein Ausspruch: „Jeder Mensch ein Künstler!“ Das lässt den Schluss zu, dass es keine Geheimnisse mehr gibt, die nicht jedem heute lebenden Menschen zugänglich sind. Das mag stimmen, aber es muss noch lange nicht bedeuten, dass auch jeder erleuchtet ist.

[Bild nicht gefunden]Der Zug aus Kiel kommt an. Unter den Aussteigenden ist ein junger Matrose in Uniform. Sein Anblick lässt eine mir völlig fremde Welt vor meinem inneren Auge entstehen. Ich frage mich, wie seine Erfahrungswelt aussieht, sein Alltag, worin seine spezielle Lebenseinweihung bestehen mag?
Mir fällt eine Begebenheit ein, die mir eine völlig neue Sichtweise auf das Wort Einweihung eröffnet hat:

Es war vor einigen Jahren, als ich in Basel einen Vortrag hielt mit dem Titel:
„Über Reinkarnationserfahrungen sprechen“ (siehe auch den Text „Reinkarnationserfahrungen“) Ich erwähnte das geistige Gesetz, von dem Rudolf Steiner sagt, dass ein „Eingeweihter“ umso vollkommener ist, je strenger er dieses Gesetz beachtet. Es besagt, dass

man niemandem Wissen vorenthalten soll, dass ihm gebührt, aber auch niemandem etwas erzählen soll, wofür er nicht reif ist

bzw. das er nicht verstehen kann und es daher ablehnen würde.
Nach diesem Vortrag fragte mich ein Herr, ob ich eine „Eingeweihte“ sei. Ich fühlte mich vollkommen überrumpelt von dieser Frage und ging ausweichend darüber hinweg. Später fragte ich mich, was ich daran eigentlich so provozierend fand? Ist es die Bedeutung, die wir in das Wort „Eingeweihter“ legen, die etwas von übermenschlicher Größe beinhaltet, von okkultem Wissen, das nur wenigen auserlesenen überragenden Geistern zugänglich ist, von dem der normale Sterbliche ausgeschlossen ist?

Ich hatte in meinem Vortrag die Bedeutung allerdings viel allgemeiner gehalten, so dass das entsprechende Gesetz eigentlich immer gilt, wenn jemand über Wissen verfügt, das anderen Menschen nicht ohne weiteres zur Verfügung steht. Das betrifft naturwissenschaftliches Wissen genauso wie spirituelles Wissen oder auch jedes andere Wissensgebiet. Wenn beispielsweise ein Computerspezialist mich mit seinem Fachwissen zutextet, obwohl ich in dieses Wissensgebiet nicht „eingeweiht“ bin, muss er sich über meine Abwehrreaktionen nicht wundern. Wenn er aber einem Kollegen mit einem Problem nicht weiterhilft, obwohl er über das erforderliche Wissen verfügt, ist das auch nicht nobel!

Wie viele soziale Probleme könnten vermieden werden, wenn alle Menschen dieses Gesetz, das einen „Eingeweihten“ vollkommen macht, beachten würden!

So gesehen kann ich eigentlich alle Menschen als Eingeweihte betrachten, eingeweiht in Mysterien des Lebens, von denen ich oftmals keine Ahnung habe. Es sind aber nicht nur Fachleute mit speziellem Wissen, sondern ganz besonders erfüllen Kranke, Behinderte, Verrückte und Außenseiter das Kriterium der Einweihung in besondere Lebensmysterien. Sie alle verfügen über außerordentliche Erfahrungen und Wissen, das ihren besonderen Lebensumständen zu verdanken ist. Über welche außergewöhnlichen Fähigkeiten verfügt ein Autist, ein Legastheniker, ein Demenzkranker? Mit wem können sie ihr Wissen teilen? Welche Lebensrätsel erschließen sich einem Obdachlosen, einem Drogensüchtigen? Na, ich will hier nicht zu weit gehen, aber ich möchte doch (frei nach Beuys) behaupten:

„Jeder Mensch ein Eingeweihter!“

Ich gehe zufrieden nach Hause, bereichert um die Feststellung, dass der Bahnhof tatsächlich einen Mysterienort erster Güte darstellt. Man könnte allenfalls einwenden, dass die beschriebenen Erlebnisse sich auch an fast jedem beliebigen anderen Ort abspielen können, sogar im Goetheanum. Dem stimme ich zu.

Damit scheint mir der Beweis erbracht, dass die gesamte Erde in unserer Zeit eine einzige große Mysterienstätte ist!

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„Die Mysterien finden im Hauptbahnhof statt, nicht im Goetheanum.“

Dies sagte Joseph Beuys in einem Spiegel-Interview im Jahre 1984, in dem er auf seine Beziehung zur Anthroposophie angesprochen wurde. Dass die Mysterien nicht im Goetheanum stattfinden, ist mir schon klar. Aber ist das eine Garantie dafür, dass sie im Hauptbahnhof stattfinden? Ich beschließe, die Probe aufs Exempel zu machen und die Aussage von Beuys im realen Leben zu überprüfen.

[Bild nicht gefunden]Eckernförde hat zwar nur einen kleinen Bahnhof, auf dem weniger los ist als an einer Straßenbahnhaltestelle einer Großstadt, selbst wenn man den angrenzenden Busbahnhof dazu rechnet, aber da es der einzige im Städtchen ist, nenne ich ihn hier den Hauptbahnhof. Ich wohne direkt gegenüber dieser modernen Mysterienstätte, schon seit gut drei Jahren, aber jetzt erst wird mir bewusst, dass ich diese Gelegenheit, die Erleuchtung direkt vor der Haustür abholen zu können, bisher gar nicht genutzt habe. Nun bin ich wild entschlossen, dieses Versäumnis nachzuholen und meine spirituelle Entwicklung auf dem Hauptbahnhof von Eckernförde voranzubringen.

Damit keine falschen Vorstellungen von diesem Gebäude entstehen, begnüge ich mich im Folgenden wohl doch lieber mit der Bezeichnung Bahnhof. Es ist ein kleines einstöckiges Flachdachgebäude, in dessen Mitte sich eine achteckige Wartehalle befindet. Auf der einen Seite schließt sich das „Reisezentrum“ an, ein winziger Schalterraum, gegenüber befindet sich ein Bistro mit kleiner Buchhandlung und „Pressecenter“. Die Gleisanlagen sind extrem überschaubar: die eingleisige Strecke erweitert sich hier auf zwei Gleise und ein kaum benutztes Ausweichgleis. Noch überschaubarer ist der stattfindende Verkehr: Einmal stündlich hält ein Zug auf dem Weg von Kiel nach Flensburg und einmal in der Gegenrichtung. Zu Berufsverkehrszeiten gibt es dazwischen noch eine Verbindung von Eckernförde nach Kiel und zurück.

[Bild nicht gefunden]Ich habe zwar noch keine Idee, in welcher Weise mich an einem so unspektakulären Ort die Erleuchtung treffen könnte, aber ich ahne zumindest, dass die wichtigste Vorbereitung dafür darin besteht, selber offen und ohne Vorurteile zu sein, im Herzen die Frage, welche neuen Lernschritte und Geschenke das Leben für mich bereit hält. So mache ich mich nun auf den Weg, der höchstens fünfzig Meter lang ist, überquere die Straße und den Bahnhofsvorplatz, öffne die Tür zur Wartehalle und warte. Mein Blick wandert umher. Durch die gläsernen Wände sind die Gleisanlagen und dementsprechend die ein- und ausfahrenden Züge gut sichtbar. Einige Menschen sitzen in der Halle, andere stehen draußen und warten. Ich warte ebenfalls, aber nicht auf einen Zug, sondern auf die von Beuys versprochenen Mysterien.

Der Eckernförder Künstler „fognin“ findet, dass mein Vorhaben, hier die Erleuchtung zu finden, schon an der Prämisse krankt. Er besteht darauf, dass Beuys eindeutig von einem Hauptbahnhof sprach und nicht von einem „optisch hochfrisierten Haltepunkt“, der seiner Meinung nach aus Eckernförder Minderwertigkeitskomplexen heraus Bahnhof genannt wird. Er sagt:

„Kiel hat einen Bahnhof. Hamburg einen Hauptbahnhof. Die Mysterien finden in Hamburg, Berlin und Hamm statt (Degenhardt). Hier gibt es nur Mysterienen. In Kiel Mysterchen. Aber in Hamburg, da wirst du knallhart eingeweiht! Ob du das so willst, ist eine andere Frage.“

[Bild nicht gefunden]Meinen Einwand, dass ich auf meinen unzähligen Reisen gen Süden den Hamburger Hauptbahnhof mehr als gründlich kennengelernt habe, ohne eine knallharte Einweihung zu erleben, lässt er nicht gelten. Das ginge nun mal nicht so einfach auf einer Durchreise, da müsste ich schon einen ganzen Tag verbringen und zudem noch innerlich ganz auf die Erleuchtung ausgerichtet sein. Mag sein, dass mir ein ganzer Tag im Hamburger Hauptbahnhof tatsächlich aufregende Grenzerlebnisse bescheren würde, aber mal ehrlich:

Ist die Behauptung, die Mysterien würden nur an einem Hauptbahnhof stattfinden, nicht genauso absurd und illusorisch wie die Annahme, sie würden im Goetheanum stattfinden?

Ich meine, der Geist weht wo er will, er lässt sich an keinen Ort fixieren, und warum sollte er nicht an einem zweigleisigen Haltepunkt wehen? Ich habe mir schon vor Jahren auf meinen inneren Wunschzettel geschrieben: Ich möchte immer dort sein, wo der Geist gerade weht, die Liebe fließt, die Arbeit wartet und ich genährt werde. Wenn es keinen äußeren Ort gibt, der diese Kriterien erfüllt, ist eben die Reise nach innen angesagt. Dann ist es in meine Verantwortung gestellt, den Geist wehen und die Liebe fließen zu lassen, an mir zu arbeiten und für mich zu sorgen.

Was treibt mich also jetzt an diesen hochfrisierten Haltepunkt, wenn ich nicht wirklich daran glaube, dass die Erleuchtung überhaupt von einem bestimmten Ort abhängig ist?

Die Wahrheit ist: Ich weiß es nicht!

Und Nicht-Wissen ist wohl die beste Voraussetzung für ein Experiment ohne Fixation auf ein bestimmtes Ergebnis…

(Fortsetzung folgt)

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[Bild nicht gefunden]Wer mein Interview von 2004 bis zum allerletzten Schluss gelesen hat, wird dort auf den Namen Hans-Frieder Willmann gestoßen sein. Dieser Name begegnete mir zum ersten Mal im Herbst 1995 in dem Buch „Der Lehrerkreis um Rudolf Steiner“, in dem er einen Nachruf auf seine ehemalige Lehrerin Clara Michels verfasst hatte. Seine liebevolle Charakteristik sprach mich sehr an, ich konnte einige der geschilderten Wesenszüge in mir wiedererkennen, sodass ich mich in meiner Vermutung bezüglich meiner vorigen Inkarnation als Clara Michels bestätigt fühlte. Er beschrieb dort unter anderem, wie seine Lehrerin ihm half, seine Schreibblockade zu überwinden, indem sie ihn ermunterte, seinen Aufsatz einfach im schwäbischen Dialekt zu schreiben, den er zu Hause sprach.

Einige Zeit nach dieser Lektüre kam ich während eines Stadtbummels in Stuttgart (wo wir damals wohnten) am „Tagblatt-Turm“ vorbei, der Residenz des Stuttgarter Wochenblattes. Mein Blick fiel beiläufig ins Schaufenster – und ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen: in der Auslage befanden sich mehrere Bücher von einem Autor namens Hans-Frieder Willmann. Kann das Zufall sein? Aufgeregt betrat ich den Ladenraum und studierte den Klappentext der Bücher. Kein Zweifel, dort hieß es, der Autor sei 1922 geboren und habe die Stuttgarter Waldorfschule besucht. Ich kaufte zwei der Bücher und beschloss, die Spur weiter zu verfolgen. Lebt er noch? Wenn ja, wo? Was hat er mit dem Stuttgarter Wochenblatt zu tun?

Es war schon eine seltsame Vorstellung, dass ein Mensch, den ich in meinem vorherigen Leben als Kind kannte, mir jetzt als alter Mensch begegnen könnte!
Ein Anruf beim Wochenblatt ergab, dass man mir weder Adresse noch Telefonnummer geben dürfe, aber ich könne ihm einen Brief an die Adresse des Wochenblattes schreiben, entweder unter dem Namen Hans-Frieder Willmann oder Fred Wiesen, das sei sein Pseudonym.
Fred Wiesen??! Es dauerte nicht lange, bis der Groschen fiel. Dieser Name ist nun wirklich allen Stuttgartern geläufig durch seine wöchentliche Kolumne „Stuttgarter Tagebuch“ im Stuttgarter Wochenblatt. Erst später erfuhr ich, dass er lange das Wochenblatt als Herausgeber und Gesellschafter führte.

Zunächst schrieb ich den Brief. Ich wollte nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und fragte vorsichtig, ob er bereit sei, mir etwas aus seinen Erinnerungen an Clara Michels mitzuteilen, ich hätte ein Forschungsinteresse an dieser Person. Er rief mich an, erreichte aber nur den Anrufbeantworter und versprach, sich nach seinem nun beginnenden Urlaub wieder zu melden. Auf diesen Anruf wartete ich jedoch vergebens.
So schnell wollte ich aber nicht aufgeben und versuchte es ein Jahr später noch einmal. Es spielte sich exakt dasselbe ab: Er sprach mir auf den Anrufbeantworter mit der Ankündigung, sich nach seinem Urlaub wieder zu melden. Wiederum geschah nichts. Nach einem weiteren Jahr sollte es der dritte und letzte Versuch werden. Diesmal erreichte er mich und fragte nach dem „journalistischen Aufhänger“ für meine Recherchen. Etwas verlegen gestand ich, dass mein Interesse eher privater Natur sei, was ich ihm aber lieber in einem persönlichen Gespräch erklären würde als telefonisch. Daraufhin plauderte er eine Weile aus seinen Erinnerungen an seine Lehrerin, bevor er mir – nun schon zum dritten Mal – versprach, sich nach seinem Urlaub wieder zu melden. Dieses kurze Gespräch löste eine starke Resonanz in mir aus, es stiegen sogar Bilder von einer noch früheren karmischen Begegnung in Ägypten auf. Insofern hatte es schon den Effekt, den ich mir quasi als Bestätigung erhofft hatte. Der versprochene Anruf blieb jedoch wieder aus. Ich gab auf. Drei Versuche sind genug! Es soll wohl nicht in diesem Leben sein!
Oder doch?

Etwas später nahm ich einen Job bei der Post als Briefsortiererin in unserem Stadtbezirk an. Da fiel mir der Name Hans-Frieder Willmann auf Briefen auf. So wurde das Geheimnis um die vom Wochenblatt streng geheim gehaltene Adresse gelüftet! Ich realisierte, dass er ganz in meiner Nähe wohnte und ich täglich an seinem Haus vorbei kam. Von nun an war ich sehr wachsam beim Passieren des Hauses. Ob sich vielleicht ein „zufälliges“ Treffen ergeben würde? Aber auch das geschah nicht, obwohl ich den alten Herrn mehrmals von Weitem in seinem Garten oder am Fenster erblickte.
Im März 2000 zogen wir schließlich nach Eckernförde. Damit schien das Thema abgehakt zu sein.
Es tauchte erst wieder auf, als im Februar 2004 in der Zeitschrift Lazarus das Interview mit mir erschien, in dem der Nachruf von Hans-Frieder Willmann auf Clara Michels erwähnt wurde. Es wäre mir unangenehm gewesen, hätte er davon auf Umwegen erfahren. Also beschloss ich, ihm die Zeitschrift zuzuschicken und eine persönliche Erklärung hinzuzufügen. Ich verwies auf meinen dreimaligen Kontaktversuch, aber auch mein Unvermögen, mein eigentliches Motiv damals so konkret zu formulieren. Am nächsten Tag klingelte das Telefon. Er sei schwer beeindruckt und wolle mich unbedingt kennenlernen, sagte Herr Willmann. Das ließ sich leicht arrangieren, denn ich war ohnehin mehrmals im Jahr in Stuttgart auf Arbeitsreise.
Als ich die Treppe zu seinem Haus hinaufstieg, kommentierte er mein Erscheinen mit den Worten:

„Keine Frage, die Maika in jung!“

Maika war der Kosename, den die Klasse ihrer Lehrerin gegeben hatte. Es ist das ungarische Wort für Mutter. Es war eine sehr intensive Begegnung, in der ich viele interessante Einzelheiten über Clara Michels erfuhr. Ein zweites Treffen einige Monate später brachte dann aber nicht mehr viel Neues an den Tag, sodass ich es damit bewenden ließ.
Hans-Frieder Willmann ist trotz seiner inzwischen gut neunzig Jahre immer noch tätig, unter anderem im Stiftungsvorstand des Rudolf-Steiner-Nachlasses. In den letzten Jahren sind auch mehrere Bücher von ihm erschienen, das letzte im vergangenen November. Das Überwinden der Schreibblockade scheint sich gelohnt zu haben!

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Immer wieder erreichen mich Fragen, an welchen Themen ich denn nun persönlich arbeite, was sich in den letzten Jahren an innerer Entwicklung vollzogen hat, die sich dann in dem äußeren Weg niederschlägt? An dieser Stelle kann ich nur auf mein jüngst erschienenes Buch „Kleingarten Kompost Karma“ verweisen, in dem ich sowohl den inneren roten Faden der letzten Jahre beschrieben habe als auch die jetzigen Forschungsthemen, die sich teilweise während des Schreibens neu aufgetan haben.

Da gab es zum Beispiel eine sehr spannende Grenzerfahrung während einer Meditation, die zuerst mit heftigen Widerständen einherging, mit Verzweiflung und Einsamkeit, mich dann aber zu einem bisher ungekannten Gefühl von Heimat und Geborgenheit führte. Im Bild befand ich mich auf einem Lichtplaneten von sehr liebevollen Wesen umgeben, die mich zu kennen schienen. Dabei tauchte das Wort Sirius auf. Mein Verstand rebellierte heftig dagegen und noch heute weiß ich nicht genau, was ich davon halten soll. Das innere Erlebnis wirkt auf jeden Fall befreiend nach. Ein Freund, der schon vor Jahren behauptet hatte, mich vom Sirius her zu kennen (was ich immer weit von mir gewiesen hatte), erzählte mir auf meine Nachfragen, dass die Wesen auf dem Sirius sehen und hören, was auf der Erde geschieht und es dort zu musikalischen Kunstwerken verarbeiten. Das sei eine wichtige Inspirationsquelle für Musiker.

Kurz nachdem ich das Manuskript vollendet hatte und es einigen Freunden zu lesen gab, bekam ich dann interessanterweise etliche spannende Rückmeldungen ausgerechnet zum Thema Sirius. Eine Freundin berichtete über eine Radiosendung, von der sie zufällig einen Teil hörte, in der sich ein Paar aus Ostdeutschland in einer auffallend liebevollen und achtsamen Weise unterhielt. Es ging darum, zu erklären, was sie unter Liebe verstehen. Sie sprachen darüber, wie sie miteinander umgehen, wie sie sich schätzen und lieben, aufeinander achten und umsorgen. Als der Mann die Frage stellte, was wohl geschieht, wenn sie nicht mehr sind und wo sie hinkommen, wenn sie sterben, antwortete die Frau wie selbstverständlich: „Auf den Sirius.“ Der Mann fragte nach, ob sie das wirklich so sicher weiß. Für die Frau schien das alles klar zu sein. Sie machte auf meine Freundin einen spirituell sehr wachen Eindruck, obwohl ihre Sprache ganz einfach klang.

Eine andere Freundin, die als Lehrerin in einer Schule für mehrfach behinderte Kinder arbeitet, machte mit ihren Schülern eine Nachtwanderung. Einer ihrer Zöglinge schaute dabei sehr in sich gekehrt nach unten. Sie ermunterte ihn, doch einmal nach oben zu den Sternen zu blicken. Da richtete er sich vor ihr auf und fragte sie, ob sie den Sirius kennt. Während sie darüber nachdachte, was er wohl mit dieser Frage wollte und ob er die Position des Sirius am Himmel meinte, hielt sie den Kopf etwas gesenkt, um besser nachdenken zu können. Der Schüler beobachtete sie und sagte bei einer späteren Gelegenheit: „… und da habe ich Sie gefragt, ob Sie den Sirius kennen. Und da haben Sie beschämt zu Boden geschaut!“

Auch andere Bekannte und Freunde erzählten mir, dass sie eine Beziehung zum Sirius haben oder sich dort beheimatet fühlen. Von vielen Seiten hörte ich, dass diese Seelen vom Sirius in der heutigen Zeit vermehrt auf der Erde erscheinen mit einem starken Friedensimpuls, der ein liebevolles harmonisierendes soziales Miteinander zum Ziel hat. So suchte mich einen neue Klientin auf, die große Mühe hatte, sich auf der Erde heimisch zu fühlen. Sie gehörte nirgends richtig dazu, fand trotz überragender Kompetenzen keinen geeigneten Wirkungskreis und wollte am liebsten gar nicht inkarniert sein. Auf meine vorsichtigen Nachfragen gestand sie mir, dass eigentlich der Sirius ihre Heimat sei, wo sie gerne wieder hin möchte. Ich fragte sie, was sie denn dort tun würde, wenn es ihr gelänge hinzukommen. Sie antwortete: „Liebe abstrahlen natürlich!“ „Kannst du das nicht auch hier auf der Erde tun?“ fragte ich weiter. Ja, das würde sie schon gerne, gab sie zurück, aber das sähe das Arbeitsamt nicht als einen anerkannten Job an.

Bei weiteren Recherchen stieß ich auf eine Aussage, des Komponisten Karlheinz Stockhausen, der einmal gesagt haben soll :

„Ich bin auf dem Sirius ausgebildet worden und will dort auch wieder hin, obwohl ich derzeit noch in Kürten bei Köln wohne. Auf Sirius ist es sehr geistig. Zwischen Konzeption und Realisation vergeht fast keine Zeit. Was man hier als Publikum kennt, passive Beisitzer, gibt es dort gar nicht. Da ist jeder kreativ.“

Auch Rudolf Steiner hat sich verschiedentlich über den Sirius als geistige Sphäre geäußert.

Hat jemand sonst noch Erfahrungen auf diesem Gebiet? Eigene Erlebnisse? Ich freue mich über entsprechende Zuschriften!

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Wie kann das bloß sein, dass neun Jahre nach meinem Interview immer noch so viele Leute darauf zugreifen, in letzter Zeit mehr denn je? (Ja, ich weiß,  und  haben in jüngster Zeit darauf hingewiesen, aber auch vorher wurde ich oft darauf angesprochen) Mit einigem Erstaunen nehme ich zur Kenntnis, dass das Thema wohl immer noch (oder jetzt erst recht?) offensichtlich viele Menschen bewegt. Offensichtlich ist vieles von dem damals Gesagten auch heute noch aktuell. Ich persönlich würde allerdings aus meiner heutigen Sicht an einigen Stellen Ergänzungen oder Relativierungen anbringen, anderes vielleicht gar nicht aussprechen oder jedenfalls mit mehr Distanz betrachten.

Es scheint mir an der Zeit, Bilanz zu ziehen und kundzutun, was sich seitdem in mir bewegt hat:

hdr1628 Vor neun Jahren bewirkte dieses Interview einen Wendepunkt in meiner Biografie insofern, als ich nach der Veröffentlichung von vielen Menschen und Orten gerufen wurde, um die Karmaarbeit in größerem Ausmaß als vorher in die Welt zu bringen. Dabei lernte ich viele Menschen kennen, die ähnliches erlebt hatten wie ich und einen (inneren und äußeren) Ausweg aus dem Dilemma suchten. Menschen, die schon in ihrer vorhergehenden Inkarnation mit Rudolf Steiner und der Anthroposophie in Berührung gekommen waren und diesmal jenseits der Gesellschaft sehr auf sich selbst und ihren eigenen Weg zurückgeworfen wurden. Keine Autoritäten mehr, kein Guru, kein Lehrgebäude! Das Einzige was zählt ist der Christusimpuls im eigenen Inneren, der gelebt werden will, nicht nur theoretisiert.
Zu einzelnen Aussagen in dem Interview, die ich zum jetzigen Zeitpunkt so nicht mehr machen würde, werde ich vielleicht später einmal Stellung nehmen. Das Wesentliche was sich für mich geändert hat ist, dass ich an den angesprochenen Themen völlig das Interesse verloren habe. Vielleicht ist das normal, dass Themen, die man so intensiv durchgekaut und wiedergekäut hat, irgendwann an Bedeutung verlieren? Ich weiß es nicht. Ich kenne auch Leute, die mit dem Wiederkäuen kein Ende finden. Jedenfalls denke ich im Moment:

„Wer will sich denn heute noch (immer wieder) mit der Anthroposophischen Gesellschaft und ihrer unerfreulichen Vergangenheit beschäftigen?

Ist das nicht längst abgestandener kalter Kaffee?“

Offensichtlich ist es nicht so einfach, den kalten Kaffee einfach wegzuschütten und neuen zu kochen, denn ich erlebe immer wieder, wie schmerzhaft die Verstrickungen von damals in vielen Seelen noch nachwirken und nach Klärung und Erlösung streben. Also freue ich mich, wenn mein „kalter Kaffee“ anderen Menschen noch schmeckt!

Unterdessen bin ich vor circa sechs Jahren aus der Anthroposophischen Gesellschaft ausgetreten. Das war kein spektakulärer oder emotionaler Akt, auch kein Protest gegen irgendwen oder -was, sondern eine friedliche spontane Entscheidung. Diese Anekdote will ich hier gerne erzählen:
Ich befand mich gerade in Dornach auf einer Arbeitsreise. Dornach war einer der Orte, an denen ich mehrmals im Jahr Einzelsitzungen in Karmaarbeit anbot. In der ersten Zeit hatte ich ein Quartier in unmittelbarer Nähe des Goetheanums. Ich verrichtete also meine – in den Augen dogmatischer Anthroposophen ketzerische – Arbeit mit stillem Vergnügen und mit heimlicher Genugtuung in Sichtweite der „Hochburg der reinen Lehre.“
In einer unerwartet eingetretenen Arbeitspause geschah es dann: Jetzt ist es soweit! dachte ich plötzlich, machte mich auf den Weg und betrat die heiligen Hallen. Eine gespenstische Stille empfing mich. Vielleicht ist es nicht immer so, aber in diesem Moment wirkte das Goetheanum auf mich wie ein toter Ort, eine Art Mausoleum, in dem Leichen verehrt werden.
Mit leichtem Gruseln schlich ich die einsamen Flure entlang. Endlich fand ich eine offenstehende Tür mit der Aufschrift „Sekretariat“. Tatsächlich befand sich in dem Zimmer ein lebendiger Mensch, eine freundliche Dame, der ich mein Anliegen vorbrachte, dass ich gerne aus der Gesellschaft austreten würde, aber leider meine Mitgliedskarte nicht zurückgeben könne, da ich sie bereits vor Jahren verloren hatte. Die Dame runzelte die Stirn und fragte nach meinen Gründen für diesen Schritt. „Die Zeit, in der das für mich stimmte, ist einfach abgelaufen.“ sagte ich lapidar. „Ich habe schon lange keine konkrete Anbindung und keinen Bezug mehr zu dieser Gesellschaft, obwohl ich die Anthroposophie nach wie vor schätze und ihr viel verdanke. Es ist ein Teil meiner Vergangenheit, für den ich dankbar bin, aber an dem ich trotzdem nicht länger kleben bleiben möchte.“ Auf dem Rückweg hatte ich das Bild eines vertrockneten Blattes, das sich im Frühjahr sanft vom Baum löst und friedlich hinab schwebt. Jetzt können die schon vorhandenen neuen Knospen wachsen! Kein Drama, auch keine besondere Erleichterung, sondern ein ganz natürlicher Prozess in Frieden und Dankbarkeit!

hdr1623 Etwas schwieriger war es dann zweieinhalb Jahre später, die Reste meiner Klostervergangenheit loszuwerden. Das gehört auch zum Thema, denn die Klosterstrukturen finden sich ja vielfach in der Anthroposophischen Gesellschaft wieder. Während eines Seminars hatte ich ein Bild, in dem ich mich in einer großen Klosterkirche befand, in der Gesellschaft von fünf anderen Mönchen, die mir das Klostergelübde abnehmen sollten. Dazu kamen die Worte: Ich habe mich unterworfen. Durch das Gelübde, mich den Klosterregeln zu unterwerfen, habe ich einen Teil meines freien Willens abgegeben.
Nun erkläre ich zwar, dass diese Zeiten vorbei sind und ich das Gelübde auflösen will, aber das scheint nicht so einfach zu sein. Die Brüder wollen mich nicht frei geben. Sie machen mir klar, dass ich ja nicht nur etwas abgegeben habe (nämlich den freien Willen), sondern dafür auch etwas bekommen habe: geistiges Wissen, Macht und das Privileg, sich in der Gemeinschaft der Kontemplation widmen zu können statt sich mit weltlichen Nöten herumzuschlagen. Ich solle mir bewusst machen, inwiefern ich profitiert habe und was ich dieser Entwicklung alles zu verdanken habe. Dafür sei ich der Kirche weiterhin verpflichtet und könne nicht so einfach das Gelübde brechen. Dieses energetische Band erweist sich als äußerst hartnäckig. Es braucht viel Kraft, um es allmählich aufzulösen. Mir wird klar, dass das auch mit meiner Lehrtätigkeit zu tun hat, denn das Vermitteln geistiger Inhalte durch ein kollektives Gedankengebäude bewirkt eine Bindung an dieses Kollektiv. Das Neue wird sein, durch reine Liebe zu wirken, nicht durch das Weitergeben einer Lehre.
Wenige Tage nach diesem Erlebnis befand ich mich wieder in Dornach und wollte einen Besuch in Arlesheim machen. Ich hatte einmal den Tipp bekommen, dass sich in der Krypta des Arlesheimer Doms in wunderbarer Stille-Raum befindet, den ich seitdem gelegentlich aufsuchte. Auch diesmal genoss ich die Stille und unglaubliche Kraftausstrahlung dieses Raumes. Wieder oben im Kirchenraum, fiel mein Blick auf ein aufgeschlagenes Buch in einer Seitenkapelle, in das jeder seine Wünsche und Gebete eintragen konnte. Ha! dachte ich, ein guter Ort, um meine katholischen Altlasten loszuwerden! Kurz entschlossen schnappte ich mir den Stift und schrieb:

Hiermit gebe ich alle alten Gelübde zurück!!

Und ging befreit und erleichtert hinaus….

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