Kategorie: Karmaarbeit

Intermezzo zum „Tag der Bahnhofsmission“

dsci0769 Es ist kein Witz und auch keine Erfindung meinerseits: Heute ist der offizielle „Tag der Bahnhofsmission“ unter dem Motto: „Kinder verstehen Bahnhof.“ Endlich komme ich meinem Anliegen näher, die Mysterien des Bahnhofs zu verstehen, denn wenn schon Kinder Bahnhof verstehen können, dann sollten Erwachsene das doch erst recht können! Denke ich zumindest…

dsci0770 Ich habe keinen Zweifel daran, dass Kinder erleuchteter sind als Erwachsene und viel mehr spirituelles Wissen haben als wir. Oft genug schon war das unschuldige Geplapper von Kindern die Botschaft, die mich auf die richtige Spur meiner inneren Suche brachte, vorausgesetzt, dass ich eine klare Frage in mir hatte. Sobald eine solche Frage da ist, sorgt ein mysteriöser Mechanismus dafür, dass die Antwort mir zufliegt, sei es aus dem Mund eines Fremden, eines Kindes oder in der Form, dass der Geist buchstäblich mit Büchern oder Zeitschriften nach mir schmeißt, die aus dem Regal fallen oder im Zug liegengelassen wurden. Zugegeben, das passiert auch an anderen Orten, aber ich kann nicht leugnen, dass der Bahnhof prädestiniert für solche Erfahrungen ist.

dsci0771 Es gibt um die hundert Bahnhofsmissionen in Deutschland und in Eckernförde befindet sich eine davon. Das wertet unseren zweigleisigen Haltepunkt enorm auf! Ich glaube wieder daran, dass ich hier lernen kann, Bahnhof zu verstehen. Heute findet zur Feier des Tages eine Aktion mit der Eckernförder Puppenspielerin Cordula Thonett statt, die unter anderem mit den Kindern Kochlöffelpuppen bastelt. Auf die Besonderheit des Tages weisen fünf blaue Luftballons vor der Tür der Bahnhofsmission hin. Ich betrete den Raum. Cordula und ihre Strumpfpuppe Klara Korn sind mir seit langem bekannt, aber es ist das erste Mal, dass ich Klara mit einem Anstecker der Bahnhofsmission sehe. Ich frage Klara, was man hier denn so lernen kann. Sie antwortet:

„Ich weiß nicht, ich verstehe nur Bahnhof.“

dsci0772 Ja, das ist ja gerade die Fremdsprache, die ich lernen will, sage ich, ob es da vielleicht so etwas wie ein Wörterbuch gibt? Da muss Klara leider passen. Es scheint doch ein größeres Mysterium zu sein, diese Fremdsprache namens Bahnhof zu erlernen…

Der Bahnhof ist nicht nur ein Ort des Wartens, sondern auch der Kommunikation, der Begegnung. Jedenfalls war das früher mal so. Da konnten auf Zugreisen oder beim Warten durchaus nette Begegnungen stattfinden. Heute sind die meisten Ohren zugestöpselt, die Augen auf Handy, Laptop, Zeitung oder Buch fixiert oder einfach geschlossen. Begegnungen finden heute vorzugsweise im Internet statt. (Danke übrigens, dass Sie hier sind und mich wahrnehmen! Ich bedaure nur, dass diese Begegnung so eingleisig verläuft wie die Strecke von Kiel nach Flensburg, gäbe es da nicht zweigleisige Haltepunkte wie diesen hier, an denen sich der Raum zu einem Treffpunkt verschiedener Blickrichtungen erweitert.)

dsci0773 Kaum sind mir diese Gedanken durch den Kopf geschwirrt, als sich eine korpulente Dame neben mir niederlässt. Sie beginnt mir ihre Lebensgeschichte zu erzählen und ihre abenteuerliche Reise von Hamburg nach Eckernförde. Die Strecke zwischen dem Hamburger Hauptbahnhof (auf dem laut fognin die knallharten Einweihungen stattfinden, siehe Teil 1) und Hamburg-Dammtor ist nur ein paar hundert Meter lang, aber so oft gestört, dass man wirklich unglaubliche Grenzerfahrungen machen kann, sollte man diese Strecke befahren wollen. Da wird dem Reisenden empfohlen, mit der S-Bahn nach Altona oder Dammtor zu fahren, um weiter gen Norden gelangen zu können, mit dem Ergebnis, dass man dann in der Pampa steht und auch nicht weiter kommt. Ja, das klingt einweihungsverdächtig!

Wieder mal die Deutsche Bahn als erfindungsreicher spiritueller Lehrmeister!

dsci0775 Nicht jede zufällige und oberflächliche Begegnung ist zwangsläufig eine bedeutsame Schicksals-Fügung. Dennoch liegt es ein Stück weit bei mir, eine solche daraus zu machen. Vorausgesetzt, die vorige Übung, das Warten in Gegenwärtigkeit zu verwandeln, sei gelungen, können auch ohne Worte tiefe Wesensbegegnungen mit anderen Menschen möglich sein. Ein Blick, ein Lächeln, ein absichtsloser Wortwechsel können eine unmittelbarere Verbindung zum Gegenüber herstellen, als so manches ergebnisorientierte Gespräch. Ich höre also geduldig und verständnisvoll zu, bereichert um die Einsicht, wenigstens ansatzweise Bahnhof zu verstehen.

Fortsetzung folgt

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[Bild nicht gefunden]Wer mein Interview von 2004 bis zum allerletzten Schluss gelesen hat, wird dort auf den Namen Hans-Frieder Willmann gestoßen sein. Dieser Name begegnete mir zum ersten Mal im Herbst 1995 in dem Buch „Der Lehrerkreis um Rudolf Steiner“, in dem er einen Nachruf auf seine ehemalige Lehrerin Clara Michels verfasst hatte. Seine liebevolle Charakteristik sprach mich sehr an, ich konnte einige der geschilderten Wesenszüge in mir wiedererkennen, sodass ich mich in meiner Vermutung bezüglich meiner vorigen Inkarnation als Clara Michels bestätigt fühlte. Er beschrieb dort unter anderem, wie seine Lehrerin ihm half, seine Schreibblockade zu überwinden, indem sie ihn ermunterte, seinen Aufsatz einfach im schwäbischen Dialekt zu schreiben, den er zu Hause sprach.

Einige Zeit nach dieser Lektüre kam ich während eines Stadtbummels in Stuttgart (wo wir damals wohnten) am „Tagblatt-Turm“ vorbei, der Residenz des Stuttgarter Wochenblattes. Mein Blick fiel beiläufig ins Schaufenster – und ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen: in der Auslage befanden sich mehrere Bücher von einem Autor namens Hans-Frieder Willmann. Kann das Zufall sein? Aufgeregt betrat ich den Ladenraum und studierte den Klappentext der Bücher. Kein Zweifel, dort hieß es, der Autor sei 1922 geboren und habe die Stuttgarter Waldorfschule besucht. Ich kaufte zwei der Bücher und beschloss, die Spur weiter zu verfolgen. Lebt er noch? Wenn ja, wo? Was hat er mit dem Stuttgarter Wochenblatt zu tun?

Es war schon eine seltsame Vorstellung, dass ein Mensch, den ich in meinem vorherigen Leben als Kind kannte, mir jetzt als alter Mensch begegnen könnte!
Ein Anruf beim Wochenblatt ergab, dass man mir weder Adresse noch Telefonnummer geben dürfe, aber ich könne ihm einen Brief an die Adresse des Wochenblattes schreiben, entweder unter dem Namen Hans-Frieder Willmann oder Fred Wiesen, das sei sein Pseudonym.
Fred Wiesen??! Es dauerte nicht lange, bis der Groschen fiel. Dieser Name ist nun wirklich allen Stuttgartern geläufig durch seine wöchentliche Kolumne „Stuttgarter Tagebuch“ im Stuttgarter Wochenblatt. Erst später erfuhr ich, dass er lange das Wochenblatt als Herausgeber und Gesellschafter führte.

Zunächst schrieb ich den Brief. Ich wollte nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und fragte vorsichtig, ob er bereit sei, mir etwas aus seinen Erinnerungen an Clara Michels mitzuteilen, ich hätte ein Forschungsinteresse an dieser Person. Er rief mich an, erreichte aber nur den Anrufbeantworter und versprach, sich nach seinem nun beginnenden Urlaub wieder zu melden. Auf diesen Anruf wartete ich jedoch vergebens.
So schnell wollte ich aber nicht aufgeben und versuchte es ein Jahr später noch einmal. Es spielte sich exakt dasselbe ab: Er sprach mir auf den Anrufbeantworter mit der Ankündigung, sich nach seinem Urlaub wieder zu melden. Wiederum geschah nichts. Nach einem weiteren Jahr sollte es der dritte und letzte Versuch werden. Diesmal erreichte er mich und fragte nach dem „journalistischen Aufhänger“ für meine Recherchen. Etwas verlegen gestand ich, dass mein Interesse eher privater Natur sei, was ich ihm aber lieber in einem persönlichen Gespräch erklären würde als telefonisch. Daraufhin plauderte er eine Weile aus seinen Erinnerungen an seine Lehrerin, bevor er mir – nun schon zum dritten Mal – versprach, sich nach seinem Urlaub wieder zu melden. Dieses kurze Gespräch löste eine starke Resonanz in mir aus, es stiegen sogar Bilder von einer noch früheren karmischen Begegnung in Ägypten auf. Insofern hatte es schon den Effekt, den ich mir quasi als Bestätigung erhofft hatte. Der versprochene Anruf blieb jedoch wieder aus. Ich gab auf. Drei Versuche sind genug! Es soll wohl nicht in diesem Leben sein!
Oder doch?

Etwas später nahm ich einen Job bei der Post als Briefsortiererin in unserem Stadtbezirk an. Da fiel mir der Name Hans-Frieder Willmann auf Briefen auf. So wurde das Geheimnis um die vom Wochenblatt streng geheim gehaltene Adresse gelüftet! Ich realisierte, dass er ganz in meiner Nähe wohnte und ich täglich an seinem Haus vorbei kam. Von nun an war ich sehr wachsam beim Passieren des Hauses. Ob sich vielleicht ein „zufälliges“ Treffen ergeben würde? Aber auch das geschah nicht, obwohl ich den alten Herrn mehrmals von Weitem in seinem Garten oder am Fenster erblickte.
Im März 2000 zogen wir schließlich nach Eckernförde. Damit schien das Thema abgehakt zu sein.
Es tauchte erst wieder auf, als im Februar 2004 in der Zeitschrift Lazarus das Interview mit mir erschien, in dem der Nachruf von Hans-Frieder Willmann auf Clara Michels erwähnt wurde. Es wäre mir unangenehm gewesen, hätte er davon auf Umwegen erfahren. Also beschloss ich, ihm die Zeitschrift zuzuschicken und eine persönliche Erklärung hinzuzufügen. Ich verwies auf meinen dreimaligen Kontaktversuch, aber auch mein Unvermögen, mein eigentliches Motiv damals so konkret zu formulieren. Am nächsten Tag klingelte das Telefon. Er sei schwer beeindruckt und wolle mich unbedingt kennenlernen, sagte Herr Willmann. Das ließ sich leicht arrangieren, denn ich war ohnehin mehrmals im Jahr in Stuttgart auf Arbeitsreise.
Als ich die Treppe zu seinem Haus hinaufstieg, kommentierte er mein Erscheinen mit den Worten:

„Keine Frage, die Maika in jung!“

Maika war der Kosename, den die Klasse ihrer Lehrerin gegeben hatte. Es ist das ungarische Wort für Mutter. Es war eine sehr intensive Begegnung, in der ich viele interessante Einzelheiten über Clara Michels erfuhr. Ein zweites Treffen einige Monate später brachte dann aber nicht mehr viel Neues an den Tag, sodass ich es damit bewenden ließ.
Hans-Frieder Willmann ist trotz seiner inzwischen gut neunzig Jahre immer noch tätig, unter anderem im Stiftungsvorstand des Rudolf-Steiner-Nachlasses. In den letzten Jahren sind auch mehrere Bücher von ihm erschienen, das letzte im vergangenen November. Das Überwinden der Schreibblockade scheint sich gelohnt zu haben!

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Immer wieder erreichen mich Fragen, an welchen Themen ich denn nun persönlich arbeite, was sich in den letzten Jahren an innerer Entwicklung vollzogen hat, die sich dann in dem äußeren Weg niederschlägt? An dieser Stelle kann ich nur auf mein jüngst erschienenes Buch „Kleingarten Kompost Karma“ verweisen, in dem ich sowohl den inneren roten Faden der letzten Jahre beschrieben habe als auch die jetzigen Forschungsthemen, die sich teilweise während des Schreibens neu aufgetan haben.

Da gab es zum Beispiel eine sehr spannende Grenzerfahrung während einer Meditation, die zuerst mit heftigen Widerständen einherging, mit Verzweiflung und Einsamkeit, mich dann aber zu einem bisher ungekannten Gefühl von Heimat und Geborgenheit führte. Im Bild befand ich mich auf einem Lichtplaneten von sehr liebevollen Wesen umgeben, die mich zu kennen schienen. Dabei tauchte das Wort Sirius auf. Mein Verstand rebellierte heftig dagegen und noch heute weiß ich nicht genau, was ich davon halten soll. Das innere Erlebnis wirkt auf jeden Fall befreiend nach. Ein Freund, der schon vor Jahren behauptet hatte, mich vom Sirius her zu kennen (was ich immer weit von mir gewiesen hatte), erzählte mir auf meine Nachfragen, dass die Wesen auf dem Sirius sehen und hören, was auf der Erde geschieht und es dort zu musikalischen Kunstwerken verarbeiten. Das sei eine wichtige Inspirationsquelle für Musiker.

Kurz nachdem ich das Manuskript vollendet hatte und es einigen Freunden zu lesen gab, bekam ich dann interessanterweise etliche spannende Rückmeldungen ausgerechnet zum Thema Sirius. Eine Freundin berichtete über eine Radiosendung, von der sie zufällig einen Teil hörte, in der sich ein Paar aus Ostdeutschland in einer auffallend liebevollen und achtsamen Weise unterhielt. Es ging darum, zu erklären, was sie unter Liebe verstehen. Sie sprachen darüber, wie sie miteinander umgehen, wie sie sich schätzen und lieben, aufeinander achten und umsorgen. Als der Mann die Frage stellte, was wohl geschieht, wenn sie nicht mehr sind und wo sie hinkommen, wenn sie sterben, antwortete die Frau wie selbstverständlich: „Auf den Sirius.“ Der Mann fragte nach, ob sie das wirklich so sicher weiß. Für die Frau schien das alles klar zu sein. Sie machte auf meine Freundin einen spirituell sehr wachen Eindruck, obwohl ihre Sprache ganz einfach klang.

Eine andere Freundin, die als Lehrerin in einer Schule für mehrfach behinderte Kinder arbeitet, machte mit ihren Schülern eine Nachtwanderung. Einer ihrer Zöglinge schaute dabei sehr in sich gekehrt nach unten. Sie ermunterte ihn, doch einmal nach oben zu den Sternen zu blicken. Da richtete er sich vor ihr auf und fragte sie, ob sie den Sirius kennt. Während sie darüber nachdachte, was er wohl mit dieser Frage wollte und ob er die Position des Sirius am Himmel meinte, hielt sie den Kopf etwas gesenkt, um besser nachdenken zu können. Der Schüler beobachtete sie und sagte bei einer späteren Gelegenheit: „… und da habe ich Sie gefragt, ob Sie den Sirius kennen. Und da haben Sie beschämt zu Boden geschaut!“

Auch andere Bekannte und Freunde erzählten mir, dass sie eine Beziehung zum Sirius haben oder sich dort beheimatet fühlen. Von vielen Seiten hörte ich, dass diese Seelen vom Sirius in der heutigen Zeit vermehrt auf der Erde erscheinen mit einem starken Friedensimpuls, der ein liebevolles harmonisierendes soziales Miteinander zum Ziel hat. So suchte mich einen neue Klientin auf, die große Mühe hatte, sich auf der Erde heimisch zu fühlen. Sie gehörte nirgends richtig dazu, fand trotz überragender Kompetenzen keinen geeigneten Wirkungskreis und wollte am liebsten gar nicht inkarniert sein. Auf meine vorsichtigen Nachfragen gestand sie mir, dass eigentlich der Sirius ihre Heimat sei, wo sie gerne wieder hin möchte. Ich fragte sie, was sie denn dort tun würde, wenn es ihr gelänge hinzukommen. Sie antwortete: „Liebe abstrahlen natürlich!“ „Kannst du das nicht auch hier auf der Erde tun?“ fragte ich weiter. Ja, das würde sie schon gerne, gab sie zurück, aber das sähe das Arbeitsamt nicht als einen anerkannten Job an.

Bei weiteren Recherchen stieß ich auf eine Aussage, des Komponisten Karlheinz Stockhausen, der einmal gesagt haben soll :

„Ich bin auf dem Sirius ausgebildet worden und will dort auch wieder hin, obwohl ich derzeit noch in Kürten bei Köln wohne. Auf Sirius ist es sehr geistig. Zwischen Konzeption und Realisation vergeht fast keine Zeit. Was man hier als Publikum kennt, passive Beisitzer, gibt es dort gar nicht. Da ist jeder kreativ.“

Auch Rudolf Steiner hat sich verschiedentlich über den Sirius als geistige Sphäre geäußert.

Hat jemand sonst noch Erfahrungen auf diesem Gebiet? Eigene Erlebnisse? Ich freue mich über entsprechende Zuschriften!

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Wie kann das bloß sein, dass neun Jahre nach meinem Interview immer noch so viele Leute darauf zugreifen, in letzter Zeit mehr denn je? (Ja, ich weiß,  und  haben in jüngster Zeit darauf hingewiesen, aber auch vorher wurde ich oft darauf angesprochen) Mit einigem Erstaunen nehme ich zur Kenntnis, dass das Thema wohl immer noch (oder jetzt erst recht?) offensichtlich viele Menschen bewegt. Offensichtlich ist vieles von dem damals Gesagten auch heute noch aktuell. Ich persönlich würde allerdings aus meiner heutigen Sicht an einigen Stellen Ergänzungen oder Relativierungen anbringen, anderes vielleicht gar nicht aussprechen oder jedenfalls mit mehr Distanz betrachten.

Es scheint mir an der Zeit, Bilanz zu ziehen und kundzutun, was sich seitdem in mir bewegt hat:

hdr1628 Vor neun Jahren bewirkte dieses Interview einen Wendepunkt in meiner Biografie insofern, als ich nach der Veröffentlichung von vielen Menschen und Orten gerufen wurde, um die Karmaarbeit in größerem Ausmaß als vorher in die Welt zu bringen. Dabei lernte ich viele Menschen kennen, die ähnliches erlebt hatten wie ich und einen (inneren und äußeren) Ausweg aus dem Dilemma suchten. Menschen, die schon in ihrer vorhergehenden Inkarnation mit Rudolf Steiner und der Anthroposophie in Berührung gekommen waren und diesmal jenseits der Gesellschaft sehr auf sich selbst und ihren eigenen Weg zurückgeworfen wurden. Keine Autoritäten mehr, kein Guru, kein Lehrgebäude! Das Einzige was zählt ist der Christusimpuls im eigenen Inneren, der gelebt werden will, nicht nur theoretisiert.
Zu einzelnen Aussagen in dem Interview, die ich zum jetzigen Zeitpunkt so nicht mehr machen würde, werde ich vielleicht später einmal Stellung nehmen. Das Wesentliche was sich für mich geändert hat ist, dass ich an den angesprochenen Themen völlig das Interesse verloren habe. Vielleicht ist das normal, dass Themen, die man so intensiv durchgekaut und wiedergekäut hat, irgendwann an Bedeutung verlieren? Ich weiß es nicht. Ich kenne auch Leute, die mit dem Wiederkäuen kein Ende finden. Jedenfalls denke ich im Moment:

„Wer will sich denn heute noch (immer wieder) mit der Anthroposophischen Gesellschaft und ihrer unerfreulichen Vergangenheit beschäftigen?

Ist das nicht längst abgestandener kalter Kaffee?“

Offensichtlich ist es nicht so einfach, den kalten Kaffee einfach wegzuschütten und neuen zu kochen, denn ich erlebe immer wieder, wie schmerzhaft die Verstrickungen von damals in vielen Seelen noch nachwirken und nach Klärung und Erlösung streben. Also freue ich mich, wenn mein „kalter Kaffee“ anderen Menschen noch schmeckt!

Unterdessen bin ich vor circa sechs Jahren aus der Anthroposophischen Gesellschaft ausgetreten. Das war kein spektakulärer oder emotionaler Akt, auch kein Protest gegen irgendwen oder -was, sondern eine friedliche spontane Entscheidung. Diese Anekdote will ich hier gerne erzählen:
Ich befand mich gerade in Dornach auf einer Arbeitsreise. Dornach war einer der Orte, an denen ich mehrmals im Jahr Einzelsitzungen in Karmaarbeit anbot. In der ersten Zeit hatte ich ein Quartier in unmittelbarer Nähe des Goetheanums. Ich verrichtete also meine – in den Augen dogmatischer Anthroposophen ketzerische – Arbeit mit stillem Vergnügen und mit heimlicher Genugtuung in Sichtweite der „Hochburg der reinen Lehre.“
In einer unerwartet eingetretenen Arbeitspause geschah es dann: Jetzt ist es soweit! dachte ich plötzlich, machte mich auf den Weg und betrat die heiligen Hallen. Eine gespenstische Stille empfing mich. Vielleicht ist es nicht immer so, aber in diesem Moment wirkte das Goetheanum auf mich wie ein toter Ort, eine Art Mausoleum, in dem Leichen verehrt werden.
Mit leichtem Gruseln schlich ich die einsamen Flure entlang. Endlich fand ich eine offenstehende Tür mit der Aufschrift „Sekretariat“. Tatsächlich befand sich in dem Zimmer ein lebendiger Mensch, eine freundliche Dame, der ich mein Anliegen vorbrachte, dass ich gerne aus der Gesellschaft austreten würde, aber leider meine Mitgliedskarte nicht zurückgeben könne, da ich sie bereits vor Jahren verloren hatte. Die Dame runzelte die Stirn und fragte nach meinen Gründen für diesen Schritt. „Die Zeit, in der das für mich stimmte, ist einfach abgelaufen.“ sagte ich lapidar. „Ich habe schon lange keine konkrete Anbindung und keinen Bezug mehr zu dieser Gesellschaft, obwohl ich die Anthroposophie nach wie vor schätze und ihr viel verdanke. Es ist ein Teil meiner Vergangenheit, für den ich dankbar bin, aber an dem ich trotzdem nicht länger kleben bleiben möchte.“ Auf dem Rückweg hatte ich das Bild eines vertrockneten Blattes, das sich im Frühjahr sanft vom Baum löst und friedlich hinab schwebt. Jetzt können die schon vorhandenen neuen Knospen wachsen! Kein Drama, auch keine besondere Erleichterung, sondern ein ganz natürlicher Prozess in Frieden und Dankbarkeit!

hdr1623 Etwas schwieriger war es dann zweieinhalb Jahre später, die Reste meiner Klostervergangenheit loszuwerden. Das gehört auch zum Thema, denn die Klosterstrukturen finden sich ja vielfach in der Anthroposophischen Gesellschaft wieder. Während eines Seminars hatte ich ein Bild, in dem ich mich in einer großen Klosterkirche befand, in der Gesellschaft von fünf anderen Mönchen, die mir das Klostergelübde abnehmen sollten. Dazu kamen die Worte: Ich habe mich unterworfen. Durch das Gelübde, mich den Klosterregeln zu unterwerfen, habe ich einen Teil meines freien Willens abgegeben.
Nun erkläre ich zwar, dass diese Zeiten vorbei sind und ich das Gelübde auflösen will, aber das scheint nicht so einfach zu sein. Die Brüder wollen mich nicht frei geben. Sie machen mir klar, dass ich ja nicht nur etwas abgegeben habe (nämlich den freien Willen), sondern dafür auch etwas bekommen habe: geistiges Wissen, Macht und das Privileg, sich in der Gemeinschaft der Kontemplation widmen zu können statt sich mit weltlichen Nöten herumzuschlagen. Ich solle mir bewusst machen, inwiefern ich profitiert habe und was ich dieser Entwicklung alles zu verdanken habe. Dafür sei ich der Kirche weiterhin verpflichtet und könne nicht so einfach das Gelübde brechen. Dieses energetische Band erweist sich als äußerst hartnäckig. Es braucht viel Kraft, um es allmählich aufzulösen. Mir wird klar, dass das auch mit meiner Lehrtätigkeit zu tun hat, denn das Vermitteln geistiger Inhalte durch ein kollektives Gedankengebäude bewirkt eine Bindung an dieses Kollektiv. Das Neue wird sein, durch reine Liebe zu wirken, nicht durch das Weitergeben einer Lehre.
Wenige Tage nach diesem Erlebnis befand ich mich wieder in Dornach und wollte einen Besuch in Arlesheim machen. Ich hatte einmal den Tipp bekommen, dass sich in der Krypta des Arlesheimer Doms in wunderbarer Stille-Raum befindet, den ich seitdem gelegentlich aufsuchte. Auch diesmal genoss ich die Stille und unglaubliche Kraftausstrahlung dieses Raumes. Wieder oben im Kirchenraum, fiel mein Blick auf ein aufgeschlagenes Buch in einer Seitenkapelle, in das jeder seine Wünsche und Gebete eintragen konnte. Ha! dachte ich, ein guter Ort, um meine katholischen Altlasten loszuwerden! Kurz entschlossen schnappte ich mir den Stift und schrieb:

Hiermit gebe ich alle alten Gelübde zurück!!

Und ging befreit und erleichtert hinaus….

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Reinkarnationsforschung heute

Kürzlich erreichte mich die Anfrage einer Zeitschrift nach dem aktuellen Stand der Reinkarnationsforschung heute: wie es jetzt damit aussieht, auch bei mir persönlich, wer sonst noch daran forscht, ob das Interesse daran zurückgegangen ist, wie ich diese Arbeit jetzt beurteile und ob das damalige starke Interesse auch bei Anthroposophen nur eine Modeerscheinung war?

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Meine Antwort habe ich hier schriftlich zusammengefasst:

Zunächst einmal: Der Begriff Reinkarnationsforschung ist mir zu einseitig. Karmaarbeit ist viel umfassender als die Erforschung früherer Leben. Es geht um Verständnis und Erkenntnis komplexer karmischer Zusammenhänge, nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich, sondern auch um das Karma des Menschen mit der Natur und der Erde, um die bewusste Zusammenarbeit mit der geistigen Welt, auch um karmische Aufgaben, die in die Zukunft hinein führen. Es versteht sich von selbst, dass dies bisher nur von wenigen Menschen in intensiver Einzelarbeit geleistet werden kann.

Ich mache diese Arbeit nun seit fast zwanzig Jahren und kann eigentlich nicht sagen, dass das Interesse grundsätzlich zurückgegangen ist. Nur in der Form, wie ich es jahrelang auf vielen Reisen angeboten habe, ist eine gewisse „Sättigung“ eingetreten, auch bei mir selbst.

Da sehe ich mehrere Gründe:

Die Arbeit in Gruppen und Seminaren sowie das Angebot von Einzelsitzungen an verschiedenen Orten hat zum einen eine starke Ausbreitung meiner Arbeit mit sich gebracht, zum anderen wurden aber auch viele Menschen angezogen, die einfach mal aus Neugier „schnuppern“ wollten oder eine schnelle Lösung für ihre Lebensfragen suchten. Da gab es sicherlich auch „Mode-Effekte“, aber ich denke auch, dass es einfach ein starkes Bedürfnis vieler Menschen war, diese Arbeit kennenzulernen und selbständig damit weiter zu arbeiten. Es war und ist mein Hauptanliegen, den Menschen ein Handwerkszeug zu vermitteln und ihnen Mut zu machen, damit eigenständig umzugehen. Das ist vielfach auch gelungen, sodass ich es als einen natürlichen Effekt betrachte, dass die Nachfrage nach so einer Grundlagenarbeit irgendwann nachlässt.

Karmaarbeit in Seminaren und Vorträgen zu vermitteln war für mich vielfach mit Kompromissen behaftet. Karma ist doch eine so individuelle Angelegenheit, dass eine Gruppenarbeit mit diesem Thema nur begrenzt möglich ist.

Es war einerseits in Ordnung für mich, auf diese Weise mehr in die Breite zu „streuen“, denn es hat meine Erfahrung mit den unterschiedlichsten Menschen, meine Fähigkeiten und Einsichten enorm erweitert. Andererseits empfand ich es auf Dauer ermüdend, immer wieder quasi von vorne anzufangen und eine grundlegende Einführung zu geben, ohne so in die Tiefe gehen zu können, wie es eine ernsthafte Karmaarbeit eigentlich erfordert.

Im Laufe der Zeit hat sich die Arbeit selbst immer mehr geändert, zum einen weil ich versucht habe, den Bedürfnissen der Menschen nach schneller Problemlösung gerecht zu werden, zum anderen weil die Botschaften der geistigen Welt immer mehr in die Richtung wiesen:

„Ihr müsst nicht mehr alle Einzelheiten aufarbeiten! Es reicht das Prinzip verstanden zu haben und Verzeihen, Vergebung und Loslassen zu üben. Jetzt geht es immer mehr darum, vorwärts zu schauen, eure Schöpferkraft zu entwickeln und mit der geistigen Welt zusammen zu arbeiten.“ 

So habe ich nicht nur Meditationsübungen entwickelt, die für eine Gruppenarbeit geeignet und heilsam waren, sondern auch z.B. eine Bewegungsübung, bei der es um die Verwandlung von Doppelgänger-Anteilen geht. Es war für mich selbst frappierend, wie effektiv und zeitsparend eine solche Übung wesentliche Blockaden lösen kann. Da es mir immer schon eher um den therapeutischen Effekt als um reine Forschungsfragen ging, habe ich meinen Fokus sehr stark auf eine möglichst effektive Problemlösung gerichtet. Für viele Menschen ist aber nach wie vor eine Erkenntnis ihrer früheren Leben und karmischen Verstrickungen eine äußerst bedeutsame Erfahrung, die riesige Entwicklungsschritte mit sich bringt. Oft sind diese Schritte so groß, dass es Monate oder sogar Jahre braucht, um das Ergebnis entsprechend ins Leben zu integrieren. Oft habe ich auch erlebt, dass Seminarteilnehmer überhaupt erst viele Jahre später den Schritt in eine intensive Einzelarbeit wagen. So manches „neugierige Schnuppern“ entpuppt sich als ein Samenkorn, das erst viel später zu einem Entschluss führt, die Arbeit am eigenen Karma zu vertiefen.

Einzelarbeit bieten nach wie vor einige Menschen auch im anthroposophischen Umfeld mit entsprechendem Hintergrund an. Vor einigen Jahren hat sich eine Gruppe von Menschen zusammengefunden, die mit unterschiedlichen Ansätzen, aber alle auf anthroposophischer Grundlage arbeiten, mit dem Anliegen, sich untereinander auszutauschen und die verschiedenen Ansätze kennenzulernen. Eine von dieser Gruppe geplante Tagung zum Thema Karma ließ sich leider nicht verwirklichen. Unter www.immolünzer.de (Inkare) findet man eine Liste mit den entsprechenden Adressen.

Es gibt bedauerlicherweise nach wie vor viele Vorbehalte und Vor-Urteile innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft gegenüber diesen individuellen Ansätzen der Karmaforschung. Das mag auch der Grund sein, warum sich Menschen, die auf diese Weise arbeiten, aus der Anthroposophischen Gesellschaft zurückziehen. So paradox es klingen mag: ich erlebe nirgends so große Vorbehalte gegenüber praktisch angewandter Karmaerkenntnis wie ausgerechnet dort, wo man eigentlich Vorreiter dieser Arbeit erwarten würde!

978-3-944408-08-8_titel_vs_800 In meiner eigenen Forschung spielt nun zunehmend das Karma des Menschen mit den Naturreichen ein Rolle (s.mein neues Buch…) Mit Reinkarnation und karmischen Verstrickungen im zwischenmenschlichen Bereich habe ich inzwischen so viel Erfahrung, dass ich für mich keine grundlegenden Forschungsfragen mehr sehe, abgesehen natürlich von der individuellen Arbeit mit Menschen, die immer wieder Neues und Überraschendes zutage fördert. Mein Interesse verlagert sich aber auf Bereiche, die für mich noch wenig beackert sind.

Siehe auch: Interview mit Christiane Feuerstack: „Die Rückerinnerung an die Begegnung mit Rudolf Steiner gehörte für mich zu den ersten Erfahrungen“.

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