Einleitung Graf Saint Germain

gsg

Digiale Ausgabe von
Christiane Feuerstack

Graf Saint Germain

im Spiegel der Widersprüche

 

Einleitung

(Leseprobe)

Diejenigen, die sich mit der historischen Erforschung des Lebens des Grafen von Saint Germain im 18. Jahrhundert beschäftigen, machen in der Regel um das Thema Esoterik einen großen Bogen.
Man bekommt Äußerungen zu hören, dass sein Tod in Eckernförde umstritten sei und dass er sogar heute noch lebe. Manche halten dies verständlicherweise für Aberglaube, andere jedoch für etwas, was nicht ausgeschlossen, aber für Sterbliche oder Uneingeweihte nicht zu verstehen sei.
Letztlich seien das alles reine Glaubensfragen, über die man wissenschaftlich nicht diskutieren könne.

Von heutigen Esoterikern wird der Einfluss Saint Germains dagegen nicht allein als Nachwirkung seines Erdenlebens, sondern als eine Art permanente Krafteinwirkung angesehen, als eine übersinnlich-feinstoffliche Energie, eine geistige Führergestalt, zu der jeder Mensch eine Verbindung aufnehmen kann. Indem man diese Verbindung sucht und sich für sie öffnet, können nicht nur Belehrungen, sondern auch die direkten Schwingungen dieser Energie aufgenommen werden.

Das Interesse von Esoterikern an historischen Tatsachen scheint umgekehrt ebenso gering zu sein. Da hört man oft Aussagen wie: „Das interessiert mich nicht, es gehört nicht zu meiner Aufgabe, mich mit der Biographie zu beschäftigen. Ich arbeite nur mit seiner Energie, ich bin Kanal für die Botschaften und Durchsagen des Meisters, die auf mich zugekommen sind, um mich für diese Aufgabe auszubilden.“ Fragt man nach, bedeutet „auf mich zugekommen“, dass in inneren Bildern und Visionen entsprechende Anweisungen erhalten wurden. Diese Aussagen stellen jedoch nicht zufrieden, zumal die Veröffentlichungen in diesem Bereich ähnlich diffus, ohne Quellenangaben oder die erwünschten und notwendigen Erläuterungen präsentiert werden. Über die Urheber erfährt man selten etwas, in manchen Werken treten sie nur als Herausgeber des „Autors“ Saint Germain auf, falls überhaupt.

Es scheint, dass heutige Esoteriker ebensowenig die Neigung haben, Uneingeweihten die Herkunft ihrer Weisheit nachvollziehbar zu machen, wie Wissenschaftler den Versuch unternehmen möchten, sich mit okkulten Phänomenen zu befassen.

Saint Germain gibt den Wissenschaftlern Rätsel auf. Er ist mit den Mitteln üblicher historischer Untersuchung nicht wirklich zu erfassen und entzieht sich anscheinend jedem vordergründigen Zugriff.
Es liegt in seinen Wesen begründet, dass seine Rätselhaftigkeit eine Art Suche erfordert, eine Aufgabe stellt, eine Herausforderung bietet, sich mit ihm zu beschäftigen. Man sieht sich mit vielen Widersprüchen konfrontiert, so dass es umungänglich ist, eine eigene Interpretation und ein persönliches Verhältnis zu ihm zu finden.

Allein aus den wenigen beweisbaren Tatsachen aus dem Leben des Grafen scheint es unerklärlich zu sein, dass eine Persönlichkeit über zwei Jahrhunderte nach ihrem Tode die Nachwelt so sehr fasziniert und in den Menschen derart gegensätzliche Reaktionen hervorruft.
Es scheint kaum möglich zu sein, einen Zugang zu dieser Individualität zu finden, solange man gewohnt – gewöhnlichen Denk-Pfaden folgt und nach Sicherheiten und Beweisen sucht. Man wird immer wieder zurückgeworfen auf sich selbst, auf den Innenweg. Äußere Spuren verlaufen irgendwann im Nichts, im Gefühl „alles ist möglich“ oder in der Beliebigkeit.
Der Weg kann nur weiterführen, wenn man versucht, sich ihrem Wirken innerlich zu öffnen und den Zugang auf anderen Ebenen sucht als im rein Stofflichen.
Eine nach menschlichem Ermessen stimmige Biographie zu entwerfen, wird immer an Grenzen stoßen. Viele Autoren haben das bereits versucht, und die Widersprüche lassen sich in der entsprechenden Literatur studieren.

Deshalb sei hier keine weitere Variante hinzugefügt.

Die Spur, auf die Saint Germain einen bringen kann, führt durch die gesamte Geschichte der abendländischen Esoterik, mit der er eng verbunden ist.

Die unterschiedlichen Ausprägungen esoterischer Strömungen, die hier beschrieben werden, weisen jedoch in Bezug auf die Individualität des Grafen Saint Germain ebenso Widersprüchliches auf wie die äußere Wissenschaft auch. Eine erhoffte und endgültige Sicherheit lässt sich auch hier nicht finden, selbst wenn die wesentlichen Grundgedanken übereinstimmen.
In diesem Sinne mögen diese Ausführungen als Anregung zu verstehen sein für diejenigen, die sich selber auf eine Suche begeben wollen.

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