Weihnachtsfrieden

Weihnachtsfrieden — nicht nur an der Ostsee?

328116_2013-12-24_fognin_baltfried_hdr6_1680 Weihnachten einmal ganz anders feiern jenseits aller Traditionen, dachte ich vor Jahren, als meine Söhne erwachsen und der Familientraditionen überdrüssig waren. Tannenbaum, Krippe, Weihnachtslieder, Festgelage und Kommerz, ade! Aber was dann?
Gemeinsam mit einer Freundin in ähnlicher Lage machte ich einen ersten Versuch, Heiligabend in der Natur und bewusst mit den Naturwesen zu feiern. Bei hereinbrechender Dämmerung machten wir uns auf den Weg, um an sieben zuvor ausgewählten Plätzen in der Umgebung von Eckernförde Lichter aufzustellen und dort ein kleines spontanes Ritual zu kreieren, in dem wir unsere mitgebrachten Kekse mit den Naturwesen teilten und einen weihnachtlichen Spruch sprachen. Diese Aktion war völlig absichtslos und schlicht, es ging uns nur um inneren Frieden, Stille, Freude und Dankbarkeit und um das Teilen dieser Empfindungen mit und in der Natur. Diese Ruhe und Schlichtheit empfanden wir als wohltuenden Gegenpol zu der ringsum herrschenden Hektik, was in uns beiden einen tiefen Frieden und innere Erfüllung bewirkte.
Einige Freunde, denen ich vorher von unserem Plan erzählte, waren so begeistert, dass sie beschlossen, zeitgleich an ihren jeweiligen Wohnorten etwas Ähnliches zu veranstalten. Später tauschten wir uns über unsere Erlebnisse aus und waren tief berührt und ergriffen über die Übereinstimmung unserer Erfahrungen. Dazu gehörte auch, dass es vorkam, dass man tief im Wald bereits eine von offensichtlich Gleichgesinnten angezündete Kerze entdeckte, was große Freude auslöste. In den folgenden Jahren durchlief diese Art Weihnachten zu feiern mehrere Metamorphosen:

328179_2013-12-24_fognin_baltfried_hdr3_1680 In einem russischen Text über Weihnachtsbräuche im Baltikum las ich, dass es in der estnischen Hauptstadt Tallinn seit über 350 Jahren einen von der schwedischen Königin Christina eingeführten Brauch gibt, nach dem der Bürgermeister der Stadt an Heiligabend um zwölf Uhr mittags den Weihnachtsfrieden verkündet. Warum sollten wir das nicht auch in Eckernförde tun, am anderen Ende der Ostsee? Wir könnten doch zur selben Zeit einen weihnachtlichen Friedensgruß über das Wasser senden! Welcher Ort wäre besser dafür geeignet als der Strandabschnitt, an dem das Kunstwerk des lettischen Künstlers Ojars Peterson „Brücke über das Meer“ steht, eine orangefarbene halbe Holzbrücke, deren Gegenstück in Riga steht? (Zur Zeit ist die Brücke auf beiden Seiten abgebaut, weil sie marode war, aber laut Zeitungsberichten soll sie im nächsten Sommer wieder aufgebaut werden) Tallinn, Riga…., warum nicht alle Ostseeanrainerländer bedenken? Ich zeichnete eine Karte der Ostsee mit ausgewählten Küstenstädten, denen wir unsere Lichtgrüße zusenden wollten.

Aus einer anfänglich kleinen Gruppe von sechs Menschen wurde im Laufe der letzten Jahre eine immer größere, 2012 waren es ca. vierzig Leute. Es spricht sich herum, auch ohne öffentliche Bekanntmachung. Durch die Zeitverschiebung bedingt beginnen wir um elf Uhr (zeitgleich mit zwölf Uhr in Tallinn) Wir singen und tanzen in dem Bewusstsein der verbindenden Kraft der Ostsee.

Jeder ist willkommen: 24.12. 11 Uhr Strandabschnitt 4, Eckernförde

328322_2013-12-24_fognin_baltfried_hdr3_1680 Erst im vergangenen Jahr recherchierte ich im Internet unter dem Stichwort „Weihnachtsfrieden“. Dabei erfuhr ich unter anderem, dass in der finnischen Stadt Turku nachweislich seit 1320 der Weihnachtsfrieden um zwölf Uhr mittags ausgerufen wird. Dort wird vom Direktor der Stadtverwaltung eine aus dem Mittelalter stammende Grußbotschaft verlesen, die von vielen Finnen im Fernsehen oder Radio verfolgt wird. Vermutlich hat dieser Brauch von Skandinavien aus erst den Weg nach Estland gefunden.

Wir freuen uns über alle, die dabei sein wollen oder etwas Ähnliches in ihrem Ort veranstalten.

Getagged mit: , ,