Die androgyne Göttin

Der Artemis-Tempel in Ephesos

Artemis und Athena in der Mythologie

450px-artemis_ephesos Von den historisch greifbaren Hintergründen dieser Schilderungen möchte ich nun einiges dazustellen, was der weiteren Erhellung dieser alten Mysterien dienen kann. Als Ort des Geschehens wird der Artemis-Tempel in Ephesos angegeben, der bekanntlich, ebenso wie das erste Goetheanum, einer Brandstiftung zum Opfer fiel. Dies geschah am 21. Juli 356 vor Christus durch einen Wahnsinnigen namens Herostratos. Er beging die Tat aus Geltungssucht. Sein Vorhaben, durch das Niederbrennen des Weltwunders berühmt– und somit unsterblich– zu werden, ist ihm gelungen. Der Sage nach soll in der Nacht des Brandes Alexander der Große geboren sein, der später auch sehr große finanzielle Hilfe zum Wiederaufbau des Tempels leistete.

Nach dem Brand des Goetheanums spielte Rudolf Steiner wiederholt auf Parallelen zu dem Brand des Artemisions an. Er schilderte die spirituelle Wirkung der physischen Vernichtung, die eine stärkere Verlagerung der entsprechenden Kraft-Strukturen in die Äthersubstanz der Erde möglich machte.  

Artemis gilt als Göttin der Jagd, des Mondes und des Waldes, die als jungfräuliche Jägerin allein oder von Nymphen begleitet durch die Wälder streift. Sie wird häufig mit Pfeil und silbernem Bogen dargestellt, welcher die Mondsichel symbolisiert. Damit sendet sie treffsichere Pfeile gegen die Sterblichen und bringt Krankheiten unter die Menschen.

Sie war nie verheiratet, keinem Manne untertan, sondern frei und kinderlos. Mit Männern steht sie auf dem Kriegsfuß, da sie sie für die Geburtswehen der Frauen verantwortlich macht. Ihre eigene Unschuld bewahrt sie mit größter Hartnäckigkeit und verbietet auch ihren Anhängerinnen eine Defloration. Dennoch gilt sie als Beschützerin von Frauen und Kindern, sowie als Fruchtbarkeitsgöttin. Ihre Statue in Ephesos stellt sie über und über bedeckt mit Brüsten dar, da sie die Ernährerin aller Lebewesen verkörpert. Nach einer anderen Deutung handelt es sich um Stierhoden, die Fruchtbarkeit symbolisieren.

Sie ist die Tochter der Leto und des Göttervaters Zeus, ihr Zwillingsbruder ist Apollon. Die Sage berichtet, dass die von Zeus geschwängerte Leto vor dessen eifersüchtiger Ehefrau Hera floh. Hera bewirkte jedoch, dass kein einziger Ort der Erde Leto einen Platz zum Gebären bieten sollte. Schließlich wurde Leto von der schwimmenden Insel Delos aufgenommen. Die Göttin lag neun Tage lang in den Wehen. Artemis kam als erste der Zwillinge auf die Welt und half ihrer Mutter bereits bei Apollos Entbindung. Deshalb beteten die Frauen zu Artemis um eine leichte Geburt.
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athene_relief Athena ist die Göttin der Kriegskunst, der Weisheit, der Künste und Wissenschaften und des Friedens. Ihrem Vater Zeus gilt sie als ebenbürtig, im Gegensatz zu dessen Gattin Hera, welche ihrem Gemahl deutlich untergeordnet ist. Athena hat universale Aufgaben, ihr Kult geht weit über den weiblichen Bereich hinaus. Als starke und wehrhafte Kriegerin beschützt sie Städte und Häfen vor feindlichen Überfällen. Sie liebt das wilde Schlachtgetümmel, lenkt den Streitwagen und die Pferde oder marschiert dem Heer voran, um es zu ermuntern.

Im Gegensatz zu ihrem Bruder Ares, der als roher, wilder und unbändiger Kriegsgott gilt, steht Athena für den heroischen Teil des Krieges. Sie tritt als persönliche Helferin und Beschützerin vieler Helden auf, so z. B. von Perseus, Theseus, Herakles, Achilleus und Odysseus, denen sie mit Rat und Tat zur Seite steht. In der Kunst wird sie meistens mit Helm, Schild und Lanze dargestellt.

Als Göttin der Weisheit, die ihre Entscheidungen mit Vernunft trifft, dabei zuweilen auch männliche List anwendet, schützt sie die Philosophen und Dichter.

Auch in den typisch weiblichen Tätigkeiten wie Weben, Spinnen und Sticken besitzt Athena eine große Kunstfertigkeit und verleiht diese Gaben den Mädchen und Frauen. Mütter und Kinder genießen ebenso ihren Schutz wie Handwerker und Künstler. Sie lehrt die Menschen das Lenken der Rosse, den Gebrauch des Pfluges sowie das Erbauen von Wagen und Schiffen. Auch die Erfindungen der Quadriga und der Auloi, eines aus zwei Röhren bestehenden Instrumentes mit einem oboenähnlichen Klang, werden ihr zugeschrieben. 

Athena war eine Tochter des Zeus und der Metis. Zeus hatte die von ihm mit zwei Kindern schwangere Metis verschlungen, da prophezeit worden war, eine Tochter sei ihm selbst ebenbürtig, ein Sohn werde ihn jedoch stürzen. Zeus litt danach unter großen Kopfschmerzen. Er befahl dem Schmiedegott Hephaistos, sein Haupt zu zerschlagen. Daraus entsprang Athena in voller Rüstung. Als „Kopfgeburt“ galt sie als eine Verkörperung des Geistes und damit der Weisheit und Intelligenz. Der Bruder der Athena blieb in Zeus, ungeboren und unbenannt.

Sie wuchs gemeinsam mit der Tochter ihres Ziehvaters, des Flussgottes Triton auf, die sie während eines Kampfspiels mit Wurfspeeren versehentlich tötete. Zum Andenken schuf sie eine Statue, das Palladionund übernahm den Namen der Getöteten: Pallas Athena.

„Pallás“ bedeutet kräftige Jungfrau, entsprechend der männlichen Form des Wortes „Pállas“, was kräftiger Jüngling heißt. In dem Namenpaar Pallas-Athena kommen also die beiden gegensätzlichen Pole der Göttin zum Ausdruck: auf der einen Seite ihr kriegerisch-männlicher Aspekt, „Pallás“, und im Namen „Athena“ ihre weibliche Seite. 

Athena ist eine rein geistige Göttin und bleibt Jungfrau, griechisch „parthénos“. Mit Männern hat sie nichts zu tun. Sie verkörpert sowohl weibliche als auch männliche Eigenschaften, verachtet jedoch die niederen Instinkte und bestraft Unzucht und Unkeuschheit. Es wird erzählt, dass der Seher Teiresias in seiner Jugend die Göttin beim Bade belauschte und etwas sah, was er nicht durfte. Athena strafte ihn mit Blindheit, verlieh ihm aber auf Bitten seiner Mutter, einer Nymphe, die Fähigkeit des Hellsehens.

In einer anderen Sage wird berichtet, dass Athena einmal den Schmiedegott Hephaistos aufsuchte, um sich Waffen zu besorgen. Dieser, von seiner Gattin Aphrodite verlassen, verliebte sich in Athena und stellte ihr nach. Gepackt von der Lust, benetzte Hephaistos ein Bein der Göttin. Die Zeustochter, angewidert, wischte sich mit einem Wolltuch ihr Bein ab und warf es auf den Boden. Dadurch wurde die Erde befruchtet und ein Sohn, Erichthonios, kam zur Welt, welchen Athena als ihren Sohn anerkannte und ihn ohne das Wissen der anderen Götter aufzog.
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athena2 Artemis und Athena haben die Gemeinsamkeit, dass sie als Göttinnen stark männliche Aspekte betonen und ihre Jungfräulichkeit vehement verteidigen. Gleichzeitig wird ihnen aber auch eine beschützende weibliche Rolle zugewiesen. Im Hinblick auf die sich verwandelnden zukünftigen Fortpflanzungskräfte ist Athenas Rolle als Mutter des Erichthonios sicher genauso bezeichnend wie ihre eigene Geburt aus dem Kopf des Zeus. Welchen Anteil hat sie an der „Geburt“ dieses Sohnes? Sie weist ihren Verehrer ab und macht mit Hilfe seines Samens die Erde zur „Gebärerin“ ihres Sohnes.

Die Frage nach den zukünftigen Fortpflanzungs- und Inkarnationsmöglichkeiten taucht zwangsläufig auf, wenn man die in den anfangs geschilderten Bildern angedeutete Entwicklung weiter denkt. Auch Rudolf Steiner spricht von einer zukünftigen Überwindung der Geschlechtertrennung und der damit verbundenen Verlagerung der Fortpflanzungskräfte in den Kehlkopfbereich. Diese Vorstellung fällt uns sicher heute noch extrem schwer und sie bezieht sich mit Sicherheit auch erst auf eine sehr ferne Zukunft. Aber können wir das wissen? Möglicherweise kündigen sich schon Metamorphosen in den feinstofflichen Bereichen an, wie der folgende Bericht einer Freundin imaginativ schildert:

„Es ist ein großer Schmerz für mich, dass die Seele, mit der ich mich innig verbunden fühle, im diesseitigen Leben für mich unerreichbar erscheint. Jedenfalls ist diese Liebe nicht im üblichen Sinne lebbar, eine Partnerschaft aus äußeren Schicksalsgegebenheiten ausgeschlossen. In einer Meditation wurde mir ein Bild gezeigt, in dem ich dieser Seele gegenüber stand und zwischen uns ein Strom von Liebe webte, nicht nur Liebe als Gefühl, sondern als lebendige Substanz, die in den Raum zwischen uns einfloss und heilend, schöpferisch und Leben spendend wirkte. Es war als ob ein Garten voller Leben zwischen uns entstand, in den ich auch andere, Heilung suchende Menschen einladen konnte.

Dann spürte ich einen Druck auf meiner Kehle, wie einen Kloß im Hals. Ich wusste, dieser Kloß besteht aus altem Schmerz, den ich um dieser Liebe willen erlitten hatte. Unausgesprochenes stilles Leiden, verzehrende Sehnsucht, vergangene Verlusterlebnisse, alles das wollte jetzt befreit, ausgesprochen, mit-geteilt werden. In diesem Moment entstand eine goldene Lichtbrücke von meinem Kehlkopf zu dem meines Gegenübers. In der Mitte dieses Lichtstrahls verdichtete sich durch eine entgegenkommende Strömung diese Lichtsubstanz, staute sich und sprühte auf zu einer Lichtfontäne. Zu meinem großen Erstaunen erhob sich daraus ein neu entstandenes Lichtwesen, zart wie ein Kind. Unser Lichtkind!“
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Ein weiteres auf die fernere Zukunft hindeutende Bild stellt die folgende Schilderung einer inzwischen verstorbenen Freundin dar, das sie in einer Meditation gezeigt bekam aufgrund ihrer Frage nach der Unbeständigkeit von Beziehungen:

„Ich sehe eine große Engelgestalt, silberweiß mit Gold, die mit einem riesigen Schwert von Westen nach Osten zeigt, dann von Süden nach Norden. Dann schwenkt sie das Schwert hoch mit beiden Händen über den Kopf, breitet die Flügel aus, leuchtend, fein silbrig glitzernd, und zieht sich selber mit dem Schwung weg nach oben. Wo der Engel vorher war, entstehen jetzt Erdlöcher, Höhlen, Feuer, Flammen.

Das scheint auf der Erde stattzufinden, auf dem alten Kontinent, in Europa. Die Erdhöhlen deuten darauf hin, dass die Erde Schutz gibt. Das Feuer hat etwas mit Läuterung und Reinigung zu tun. Der Engel schwingt das Schwert wie ein Sonnenrad und weist damit schräg zur Erde. Das hat etwas mit einem Entwicklungsschritt zu tun, der dringend nötig ist und von der geistigen Welt auch vorangetrieben wird. Es wird kundgetan, dass die Menschen geistige Hilfe bekommen werden, wenn sie sich dafür entscheiden. Die anderen fallen ab, als ob sie das nicht aushalten und innerlich verbrennen.

Das ist ein Prozess, der sich herunter inkarniert, der jetzt auf der Astral- und Ätherebene stattfindet, wo Entscheidungen getroffen werden. Es entwickeln sich zwei Gruppen: die einen, die frei sind und die anderen, die in die Erdlöcher reingehen, weil sie Angst haben. Die rotten sich zusammen und bilden Gruppen um Führer herum, die eher unter die Erde gehen, um ihr Leben weiter zu fristen. Es hat etwas von einem Tierwesen an sich.

Die anderen sind wenige, die haben etwas in sich, was sie so handeln lässt, dass sie immer zu zwölfen zusammen gehen und sich gemeinsam einen Wirkungsbereich suchen, fern von Städten oder Dörfern. Sie suchen sich freie Orte, die sie so frei bewohnen, dass sie jederzeit wieder gehen können. Sie arbeiten als Zwölfheit mit dem Christus zusammen. Einzelne suchen den Austausch unter diesen Gruppen, denn jeder kennt sieben solcher Kreise, in denen man dann rotieren kann. Immer wenn einer geht, kommt ein anderer, so dass es immer zwölf bleiben. Wenn einer längere Zeit die Leitung hatte, kann er gehen und die Verbleibenden wählen dann eine neue Leitung. Es geht um überpersönliche Aufgaben, die letztlich dafür entscheidend sind, wer kommt und wer geht.

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athena Heute sind schon Keime gelegt, damit dieses freie Zusammenwirken geübt werden kann. Es wird später ganz andere Dimensionen haben als jetzt, wo der Verstand noch mit hineinspielt. Durch die Rotation kommt viel Wissen in diese Kreise. Der Dogmatismus wird ausgeschaltet, geistige Weite und Fassungsfähigkeit werden geübt. Das beginnt schon jetzt.

An manchen Erdstellen gibt es eine leuchtende Intensität. In den Erdlöchern finden auch weitere Prozesse statt, Spaltungen und Aufgliederungen. Manche entwickeln sich zurück auf eine Art Tierstufe, andere erinnern sich ganz dumpf an Menschliches und gehen auf die Suche. Die sind nie weniger als drei, denn sie brauchen sich gegenseitig als Kraft, um das auszuhalten. Sie gehen dann immer öfter aus den Höhlen raus und werden von einer geistigen Führung an bestimmte Plätze geleitet, meistens an Wasserstellen. Dort werden sie belehrt über das Traumwesen, über ihre Aufgabe mit dem Wasser, das sie beschützen sollen vor Einwirkungen aus der Luft und durch Tiere.

Die ‚Höhlentypen’ kreieren die Fortpflanzung und setzen die geeigneten Kinder an den Wasserstellen aus. Die ‚Wassertypen’ haben die Aufgabe, diese Kinder großzuziehen und von ihrer Triebhaftigkeit zu reinigen, sie zu läutern und zu heilen durch das lichte heilige Wasser. Wenn die Kinder ein entsprechendes Alter erreicht haben, werden sie zu diesen Zwölfergruppen gegeben. Die anderen sind alle davon enthoben, diesen Prozess des Zeugens und Gebärens zu vollziehen. Die Leute in den Höhlen behalten meistens die ersten zwei bis drei Kinder, die weiteren können sie nicht ernähren. Sie bekommen dann die Weisung, sie auszusetzen und der Gottesmacht zu überlassen. Das höhere Wesensgefüge dieser Kinder geht schon vorher an die Wasserstelle, der Astralleib zieht sich dann ‚seinen’ Leib an die entsprechende Stelle. Das Intellektuelle hat sich dann sehr stark zurückentwickelt, dafür ist der Ätherleib sehr stark. Wahlverwandtschaften ersetzen die frühere Blutsverwandtschaft.

Dass Beziehungen auseinander gehen, ist zwar im Moment schmerzlich, aber es gehört zu dieser Dynamik. Sonst würde eine Starre eintreten, die bewirkt, dass einen nichts mehr berührt. Kontrollieren und Organisieren führt nicht weiter. Es gehört zu den Leid erzeugenden Mustern der Vergangenheit, in der Ausschließlichkeit einer Zweierbeziehung ein erstrebenswertes Ideal zu sehen. Dieses Denkmuster sollte überwunden werden. Lerne das Loslassen!“

Ich möchte die angeführten Bilder nicht weiter kommentieren, sondern sie als Anregung für die eigene Forschung stehen lassen. Sie mögen manch einem eine Hilfe sein, um die sich anbahnenden Veränderungen in menschlichen Beziehungen besser zu verstehen. So liegen in der griechischen Mythologie wohl noch manche Schätze verborgen, die mit unserem heutigen Leben und der Zukunft zu tun haben und die zu heben – auch durch andere – sich sicher lohnt.

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