Reinkarnationserfahrungen

Im Zusammenhang mit dem Sprechen über Reinkarnationserfahrungen lautet häufig eine wesentliche Frage:

Wie gehe ich damit um, wenn ich selber Reinkarnationserinnerungen habe, die karmische Verstrickungen oder Belastungen erkennbar werden lassen, an denen andere Personen beteiligt sind, die auch jetzt in meinem Umfeld leben?

Es ist ja häufig so, dass solche Erkenntnisse für den, der das erlebt hat, zu einem Schlüssel vieler Rätselfragen werden können, zu einer großen Erleichterung, Befreiung, Heilung, die man dann vielleicht mit dem oder den anderen an dem Knoten Beteiligten teilen möchte, um ihnen ebenfalls zu dieser Einsicht und Klärung zu verhelfen.

328179_2013-12-24_fognin_baltfried_hdr3_1680 In den Mysteriendramen Rudolf Steiners findet man den Idealfall dargestellt, dass fast alle Beteiligten an einem karmischen Knotenpunkt annähernd gleichzeitig eine entsprechende Rückschau haben oder die anderen an ihrem Erlebnis teilhaben lassen können. Dieser Idealfall tritt im heutigen Leben eher selten ein. Oft muss man es einfach akzeptieren, dass nur Teillösungen stattfinden können, wenn die Anderen nicht ebenfalls an dem Punkt sind, ihren eigenen Anteil bearbeiten zu können oder zu wollen. Selbst Menschen, die offen dafür sind, sich die Erzählungen über ihre Beteiligung an belastenden Geschehnissen anzuhören, können erfahrungsgemäß wenig damit anfangen, solange eine entsprechende Erkenntnis für ihre eigene Entwicklung nicht sinnvoll ist. Bloße Mitteilungen über karmische Geschehnisse haben längst nicht denselben Effekt wie Selbsterlebtes, Selbstdurchlittenes und Verwandeltes.
Ich habe oft erlebt, dass Menschen, die geradezu darauf erpicht waren, Mitteilungen bezüglich ihrer früheren Erdenleben zu erhalten, sich dann durch solche von Hellsehern, Medien oder Freunden gemachten Mitteilungen eher belastet als befreit fühlten. So etwas führt oft zu Irritationen und Verwirrungen, bestenfalls zu verstandesmäßigen Erklärungen. Das ersetzt aber nicht den eigenen Erkenntnis- und Verwandlungsprozess, diesen Weg muss jeder selber gehen, jeder zu seiner Zeit und in seinem Tempo. Da ist größte Zurückhaltung und Achtung vor dem Weg des anderen Menschen angebracht. Mitteilungen wie:

„Du hast mich mal umgebracht, jetzt weiß ich endlich, warum ich solche Angst vor dir habe!“

sind wenig hilfreich, es sei denn, dass der Betreffende selber diesbezügliche Ahnungen oder drängende Fragen hat. Fast noch schlimmer ist es allerdings, wenn man diffuse Andeutungen verlauten lässt, die dem Anderen signalisieren:

„Ich weiß was, was du nicht weißt, aber du bist ja wohl noch nicht so weit…..“

Es ist schwierig, hier allgemeine Empfehlungen zu geben. Über anfängliche Erlebnisse ist es eher ratsam, zu schweigen, lange damit umzugehen und eintretende Veränderungen zu beobachten. Was für einen selber klärend und hilfreich ist, kann beim Anderen das genaue Gegenteil bewirken. Auch die gut gemeinte Absicht, einem Mitmenschen ein Leiden zu erleichtern, ihm Gefahren oder Umwege zu ersparen, rechtfertigt nicht die ungefragte Mitteilung höherer Einsichten.

Wenn man nun in der Rolle des Empfängers solcher Botschaften ist, stellt sich wiederum die Frage:

„Wie gehe ich damit um? Was fange ich mit Mitteilungen bezüglich meiner Person an, die ich überhaupt nicht überprüfen kann und um die ich vielleicht noch nicht einmal gebeten habe? Verbitte ich mir in Zukunft solche Botschaften oder nehme ich sie als einen ernstzunehmenden Hinweis, mich nun selber auf die Suche zu begeben?“

Auch darauf gibt es keine allgemeine Antwort. Ich habe häufig erlebt, wenn Menschen mit einem solchen als Ballast empfundenen Kopfwissen zu mir kamen, um nun diese Mitteilungen überprüfen zu können oder ihren eigenen Anteil selbst zu erkennen und zu lösen, dass das zwar in einigen Fällen möglich und richtig war, meistens aber für die Betreffenden ganz andere Dinge „dran“ waren.

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Mir ist auch schon die Frage gestellt worden, wie man denn reagieren soll, wenn man mit solchen Aussagen konfrontiert wird wie:

328116_2013-12-24_fognin_baltfried_hdr6_1680 „Ich bin der reinkamierte Cäsar“ oder „Rudolf Steiner“ oder sonst eine historische Größe. Nun ja, da kommt es vielleicht darauf an, in welchem Verhältnis man zu der betreffenden Person steht. Manchmal verbietet es einfach die Höflichkeit, mit einem ironischen „ich auch“ oder „da kenn ich noch ein paar“ zu antworten. Wenn man sich ernsthaft auf eine Diskussion einlassen möchte, würde ich als erstes die Frage stellen, wie diese Überzeugung zustande gekommen ist. Oft wird dann an der Antwort schon deutlich, dass keine realen karmischen Erinnerungen vorliegen, sondern allenfalls eine Beschäftigung mit dieser historischen Person und eine Identifikation mit einigen Charaktermerkmalen zugrunde liegt. Das ist aber alles andere als ein Beweis für die Richtigkeit solcher Behauptungen. Auch die Frage:

„Warum erzählst du mir das?“

kann unter Umständen ein Licht darauf werfen, was einen Menschen dazu treibt, sich mit einer historisch bedeutenden Vergangenheit zu brüsten.
Geht es darum, die jetzige Bedeutungslosigkeit zu kompensieren? Um Aufmerksamkeit oder Anhänger zu gewinnen? Oder- falls die Vermutungen auf real erlebten inneren Bildern beruhen – steht im Hintergrund die ernsthafte Frage:

„Welche Verantwortung erwächst mir aus meinem damaligen Wirken?

Wer sich auf ein solches Gespräch einlassen möchte, findet mit Sicherheit ein reiches Übungsfeld für vorurteilsfreies Zuhören und aufmerksames Beobachten nonverbaler Botschaften.
An dieser Stelle muss ich mir die Frage gefallen lassen, was mich persönlich motiviert hat, öffentlich über meine Reinkarnationserfahrungen zu sprechen, in einer Form, bei der ich ja keinerlei Kontrolle mehr darüber habe, wer das einmal in einem vertrauensvollen Zwiegespräch Ausgesprochene dann zu lesen bekommt und welche Reaktionen das auslöst. Lassen sich die bisher dargestellten Kriterien auch in einem solchen Fall anwenden?
Gibt es allgemeine Regeln dafür, wie man in der Öffentlichkeit über geistige Erfahrungen sprechen kann? Zunächst müsste die Fragestellung:

„Ist diese Mitteilung für mein Gegenüber wichtig und fruchtbar?“

ersetzt werden durch die Frage:

„Ist diese Mitteilung für einen größeren Kreis von Menschen fruchtbar? Ist die Zeit reif dafür? Bin ich dem Zeitgeschehen, einer Menschengemeinschaft, dem Volksgeist etc. gegenüber verpflichtet, bestimmte Dinge auszusprechen, auch wenn sie unangenehm sind oder Aggressionen auslösen?“

Die von Tomberg erwähnte Moralität, der richtige Herzenston werden in einem größeren Zusammenhang noch mehr Beachtung finden müssen als bei einem Privatgespräch. Aber auch ein Interview ist ja zunächst einmal ein Gespräch unter vier Augen, bei dem sehr viel von der Fragestellung und der Empfangsbereitschaft des Gegenübers abhängt.

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